Serotonin – Das Glückshormon
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Serotonin – Das Glückshormon

geschrieben von

Anna Roell
19 Juni, 2023

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Einer der wichtigsten Bestandteile im menschlichen Körper ist ein Neurotransmitter namens Serotonin, oft als “das Glückshormon” bezeichnet. Verantwortlich für eine Vielzahl von Funktionen, die von der Stimmungsregulierung bis zur Verdauung reichen, ist Serotonin ein Schlüsselakteur für unser Wohlbefinden. Ein zu niedriger oder zu hoher Serotoninspiegel kann zu körperlichen und psychischen Gesundheitsproblemen führen. Lesen Sie weiter, wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, was Serotonin genau ist und welche Auswirkungen es auf unseren Körper und unsere Psyche hat. 

Was ist Serotonin?

Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der ein fundamentaler Bestandteil in der Kommunikation von Nervenzellen ist und fungiert auch als Hormon. Es wird aus der essentiellen Aminosäure Tryptophan produziert, die wir aus unserer Ernährung gewinnen. Serotonin spielt eine entscheidende Rolle in vielen Aspekten unseres Lebens, von unserer Stimmung bis zu unserer körperlichen Gesundheit. Ein angemessener Serotoninspiegel kann dabei helfen, Depressionen und Angstzuständen entgegenzuwirken, und fördert allgemein unsere psychische Gesundheit. Aber Serotonin ist nicht nur auf unser Gehirn beschränkt. Tatsächlich befinden sich etwa 90% unseres körpereigenen Serotonins im Darm, wo es eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der Darmbewegungen spielt (Cleveland Clinic, 2022). 

Die vielfältigen Funktionen von Serotonin

Serotonin wirkt als Regulator für zahlreiche Körperfunktionen. Im Folgenden finden Sie einige der wichtigsten Funktionen: 

  1. Stimmungsregulierung: Serotonin beeinflusst unsere Stimmung und unser allgemeines Wohlbefinden. Im Gehirn verändert Serotonin die Stimmung, Angst und Freude und ein ausgewogener Serotoninspiegel ist mit  Gefühlen von Glück und Zufriedenheit assoziiert. 
  2. Schlaf-Wach-Zyklus: Serotonin spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Zyklus und der Schlafqualität. Serotonin ist ein Vorläufer des Schlafhormons Melatonin.
  3. Appetitkontrolle: Serotonin trägt zur Kontrolle des Appetits und der Sättigung bei. Es beeinflusst, wie satt wir uns nach dem Essen fühlen und kann das Verlangen nach bestimmten Nährstoffen steuern.
  4. Verdauung: Über 90% unseres Serotonins werden im Darm produziert, wo es eine wesentliche Rolle bei der Regulierung der Verdauungsfunktionen spielt .

Quelle: Berger et al.,  2009

Veränderungen des Serotoninspiegels

Da Serotonin eine zentrale Rolle in einer Vielzahl von Körperfunktionen spielt,  wie die Regulierung unserer Stimmung bis hin zur Unterstützung unserer Verdauung,  kann die Mengen an Serotonin in unserem Körper, ob hoch oder niedrig, erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. 

Ursachen für einen niedrigen Serotoninspiegel

Ein niedriger Serotoninspiegel hat meist mehr als eine Ursache, kann theoretisch dadurch entstehen, dass der Körper zu wenig Serotonin produziert oder aber der Körper das Serotonin nicht richtig verwerten kann zum Beispiel durch zu wenige Serotonin-Rezeptoren (Cleveland Clinic, 2022).  Ein Mangel an Sonnenlicht, ungesunde Ernährung, Stress und bestimmte Medikamente werden mit einem niedrigeren Serotoninspiegel assoziiert (Young, 2007).

Folgen eines zu niedrigen Serotoninspiegels

Ein Mangel an Serotonin im Gehirn kann zu einer Vielzahl von Symptomen und gesundheitlichen Problemen führen. Hier sind einige der häufigsten Auswirkungen, die auftreten können, wenn der Serotoninspiegel in Ihrem Körper niedriger als normal ist:

  1. Depressionen und Angstzustände: Niedrige Serotoninspiegel wurden mit Depressionen und Angststörungen und damit verbundenen Symptomen wie Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen assoziiert (Bocchio et al., 2016). 
  2. Schlafstörungen: Da Serotonin eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Zyklus spielt, wird ein niedriger Serotoninspiegel mit Schlafstörungen, wie Insomnia (Schlaflosigkeit), in Verbindung gebracht (Ursin, 2002).
  3. Gedächtnisprobleme: Untersuchungen haben gezeigt, dass Serotonin eine Rolle bei der kognitiven Funktion spielt, einschließlich Gedächtnis und Lernen. Ein niedriger Serotoninspiegel könnte daher zu Gedächtnisproblemen führen (Healthdirect, 2021). 
  4. Verdauungsprobleme: Da Serotonin auch im Darm produziert wird und dort eine Rolle bei der Regulierung der Verdauung spielt, kann ein niedriger Serotoninspiegel zu Verdauungsproblemen wie Verstopfung oder Durchfall führen (Cleveland Clinic, 2022).

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome, die mit einem niedrigen Serotoninspiegel einhergehen, sehr unspezifisch sind und somit auch auf andere gesundheitliche Probleme hinweisen können. Wenn Sie Symptome verspüren, ist es wichtig, einen Arzt zu konsultieren, um die zugrunde liegende Ursache Ihrer Symptome zu ermitteln.

Wenn der Serotoninspiegel zu hoch ist

Unter dem Serotonin-Syndrom versteht man eine schwerwiegende Arzneimittelreaktion. Es wird durch Medikamente verursacht, die einen hohen Serotoninspiegel im Körper aufbauen, wie zum Beispiel Antidepressiva. Dieser Zustand, bekannt als Serotonin-Syndrom, ist potenziell lebensbedrohlich und erfordert sofortige medizinische Hilfe. Die Symptome des Serotoninsyndroms können von leichten (wie Zittern und Durchfall) bis hin zu schweren reichen (wie hohes Fieber, Ohnmacht und Bewusstlosigkeit) (Mayo Clinic, 2022). 

Erhaltung eines ausgewogenen Serotoninspiegels

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einen gesunden Serotoninspiegel aufrechtzuerhalten:

  • Ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung, die reich an tryptophanhaltigen Lebensmitteln ist, wie Nüsse, Samen, Tofu, Käse, rotes Fleisch, Huhn, Truthahn, Fisch, Hafer, Bohnen, Linsen und Eier, kann helfen, den Serotoninspiegel zu erhöhen.
  • Regelmäßige Bewegung: Sport und andere körperliche Aktivitäten können die Produktion von Serotonin stimulieren.
  • Helle Lichtexposition: Tageslicht, besonders das Morgenlicht, kann die Serotoninproduktion ankurbeln. 

Quelle: Cleveland Clinic, 2022

Es ist wichtig, professionelle medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Serotoninspiegel aus dem Gleichgewicht ist, insbesondere wenn Sie Symptome, die im Rahmen von Depressionen, Angst oder Schlafstörungen auftreten. 

Medikamentöse Behandlung bei Serotoninungleichgewichten

In einigen Fällen, wenn das natürliche Gleichgewicht von Serotonin gestört ist, kann eine medikamentöse Behandlung notwendig sein, um die Symptome zu lindern. Es ist wichtig zu betonen, dass solche Medikamente immer nur in Absprache und nach Untersuchung durch einen Arzt verordnet werden. Ein bekannter Ansatz zur Behandlung von Serotoninungleichgewichten ist die Anwendung von Antidepressiva wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) oder die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs). Diese Medikamente erhöhen die Menge an Serotonin in Ihrem Gehirn. SSRIs werden oft zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen verwendet. Die Behandlung von Serotonin-Imbalancen kann komplex sein und erfordert einen individuell zugeschnittenen Ansatz (MedicalNewsToday, 2020). 

Was ist der Unterschied zwischen Serotonin und Dopamin?

Serotonin und Dopamin sind beide Neurotransmitter, die in der Regulierung von Stimmung und Verhalten eine Rolle spielen. Obwohl sie ähnliche Funktionen haben, unterscheiden sie sich in ihrer genauen Wirkung. Während Serotonin größtenteils für das Gefühl von Zufriedenheit und Wohlbefinden verantwortlich ist, wird Dopamin mit Belohnung, Motivation und Vergnügen assoziiert (Cleveland Clinic, 2022). Die Balance dieser beiden Neurotransmitter ist für unsere emotionale und physische Gesundheit von großer Bedeutung. Ungleichgewichte können zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen, die von leichter Unzufriedenheit bis hin zu schweren psychischen Störungen reichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Serotonin eine zentrale Rolle in unserem Körper spielt und die Regulierung unserer Stimmung, unseres Schlafes, unseres Appetits und vieler anderer Körperfunktionen beeinflusst. Ein adäquater Serotoninspiegel ist daher für unser allgemeines Wohlbefinden und unsere Gesundheit von großer Bedeutung.

Referenzen: 

Berger, M., Gray, J.A., & Roth, B.L. (2009). The Expanded Biology of Serotonin. Annual review of medicine, 60, 355-366. https://doi.org/10.1146/annurev.med.60.042307.110802

Bocchio, M., Fucsina, G., Oikonomidis, L., McHugh, S.B., Bannerman, D.M., Sharp, T., & Capogna, M. (2016). Serotonin, Amygdala and Fear: Assembling the Puzzle. Frontiers in neural circuits, 10, 24. https://doi.org/10.3389/fncir.2016.00024

Moawad, H. (n.d.). Serotonin deficiency: Symptoms, treatments, causes, and more. Medical News Today. Retrieved June 12, 2023, from https://www.medicalnewstoday.com/articles/serotonin-deficiency#symptoms

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Serotonin | healthdirect. (n.d.). Healthdirect. Retrieved June 12, 2023, from https://www.healthdirect.gov.au/serotonin

Serotonin syndrome – Symptoms and causes. (2022, January 22). Mayo Clinic. Retrieved June 12, 2023, from https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/serotonin-syndrome/symptoms-causes/syc-20354758Serotonin: What Is It, Function & Levels. (2022, March 18). Cleveland Clinic. Retrieved June 11, 2023, from https://my.clevelandclinic.org/health/articles/22572-serotonin

Über die Autorin

Anna Roell

Anna ist ausgebildete Krankenschwester und Gesundheitsökonomin mit dem Schwerpunkt Epidemiologie und verbindet ihre medizinischen und wissenschaftlichen Interessen. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein für medizinische Inhalte zu schärfen und diese auf verständliche Weise zu vermitteln. Am meisten schätzt sie am Leben in Amsterdam die aufgeschlossene, aktive Einstellung der Menschen, die Märkte und die großartige Natur in der Umgebung.