Schützt ein Kondom vor einer sexuell übertragbaren Krankheit?
Geschlechtskrankheit

Schützt ein Kondom vor einer sexuell übertragbaren Krankheit?

geschrieben von

Lauren Dobischok
4 April, 2023

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Kondome sind ein wirksames Mittel, um sowohl sexuell übertragbare Infektionen (STI) als auch eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Eine Ansteckung mit den meisten sexuell übertragbaren Krankheiten kann durch ein Kondom verhindert werden, sofern es vorschriftsmäßig verwendet wird und nicht beschädigt oder abgelaufen ist. Auch wenn dies weithin angenommen wird, schützen Kondome nicht vollständig vor allen sexuell übertragbaren Krankheiten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen lassen, um sich und Ihre/n Sexualpartner/innen zu schützen, auch wenn Sie Safer Sex praktizieren. Dieser Blog gibt einen Überblick über die STIs, die trotz der Verwendung eines Kondoms übertragen werden können, sowie über die richtige Handhabung eines Kondoms und thematisiert weitere Möglichkeiten, um das Risiko für STIs zu minimieren.

Was genau ist ein Kondom?

Kondome können als dünne Barrieren verstanden werden, die verhindern, dass Körperflüssigkeiten wie Sperma, Vaginalflüssigkeit und Blut zwischen Sexualpartnern ausgetauscht werden (CDC, 2021). So können Kondome auch ungewollte Schwangerschaften verhindern. Eine weitere wichtige Funktion von Kondomen dient dem Schutz vor geschlechtskrankheiten, da sie den Austausch von Körperflüssigekeiten (Genitalflüssigkeiten, Blut, Sperma oder Präkum) sowie den Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen den Genitalien stark reduzieren. Kondome können beim Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr verwendet werden.

Welche Arten von Kondomen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Kondomen: Kondome für die äußere Anwendung und Kondome für die innere Anwendung.

Ein äußeres Kondom ( manchmnal auch als “Männerkondom” bezeichnet) wird beim Sex über den Penis gezogen. Sie können aus Latex, Kunststoff, Gummi oder Naturmembranen bestehen. Latexkondome bieten einen guten Schutz vor ungewollter Schwangerschaft, HIV und anderen Geschlechtskrankheiten. Kunststoff- oder Gummikondome sind für Menschen mit einer Latexallergie eine gute Alternative, können aber leichter reißen als Latexkondome (Walsh et al., 2003). Kondome mit Naturmembranen können eine ungewollte Schwangerschaft verhindern, jedoch bieten sie keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten (CDC, 2021).

Ein inneres Kondom (manchmal auch als “Frauenkondom” bezeichnet) wird während des Geschlechtsverkehrs in die Vagina oder das Rektum eingeführt. Bei ordnungsgemäßer Verwendung können sie ungewollte Schwangerschaften verhindern und vor Geschlechtskrankheiten schützen (CDC, 2021). Interne und externe Kondome sollten nicht gleichzeitig verwendet werden, da sie so schneller reißen und die Schutzwirkung nicht gewährleistet ist.

Dieser Artikel behandelt die Prävention von Geschlechtskrankheiten und bezieht sich auf äußere Kondome aus Latex, Kunststoff oder Gummi.

Wie können sexuell übertragbare Krankheiten oder eine Schwangerschaft auftreten, wenn Kondome verwendet werden?

Um den größtmöglichen Schutz durch ein Kondom zu erhalten, ist es wichtig, die ordnungsgemäße Benutzung zu beachten. Bei korrekter Anwendung sind Kondome zu 98 % wirksam (NHS, 2022). In der Praxis wird von einer Wirksamkeit von etwa 85 % ausgegangen. Der Verlust der Wirksamkeit lässt sich auf ein mögliches Abrutschen oder Reißen des Kondoms zurückführen. Sollte ein Kondom beim Geschlechtsverkehr reißen oder sich ablösen, informieren Sie sich über Möglichkeiten der Notfallverhütung und ziehen Sie Tests auf Geschlechtskrankheiten in Betracht.

STIs werden durch den Austausch von Körperflüssigkeiten oder durch Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Da Kondome nicht die gesamte Haut bedecken und reißen oder abrutschen können, verringern sie zwar das Risiko einer STI-Übertragung, können es aber nicht vollständig ausschließen (NIH, 2021).

Vor welchen STIs schützen Kondome?

Geschlechtskrankheiten, die über Körperflüssigkeiten übertragen werden

Bei ordnungsgemäßer Verwendung bieten Kondome einen guten Schutz vor Geschlechtskrankheiten, die durch Körperflüssigkeiten übertragen werden. Dazu zählen Chlamydien, Gonorrhö, HIV, Hepatitis B und Trichomoniasis. Laborstudien haben gezeigt, dass Kondome als Barriere wirken, die den Austausch von Körperflüssigkeiten zwischen Sexualpartnern verhindert (CDC, 2021).

Geschlechtskrankheiten, die durch Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen werden

Kondome können auch vor Geschlechtskrankheiten schützen, die durch Hautkontakt übertragen werden. Dazu gehören Syphilis, Genitalherpes und HPV. Der Schutz ist jedoch nur gewährleistet, wenn das Kondom den Bereich abdeckt, an dem die Erkrankung vorkommt. Tritt zum Beispiel eine Infektion an Körperstellen auf, die das Kondom nicht abdeckt, ist eine Ansteckung trotz der Verwendung eines Kondoms möglich (NIH, 2021).

Wenn eine Person beispielsweise einen Herpesausbruch am Penisschaft hat, können Kondome, da sie diesen infizierten Bereich vollständig abdecken, wirksam vor einer Übertragung dieser STI schützen. Tritt der Ausbruch jedoch an den Hoden oder der Haut an der Peniswurzel auf, bleiben diese Bereiche bei der Verwendung eines Kondoms unbedeckt. So kann bei Hautkontakt mit diesen Bereichen eine Übertragung des Herpesvirus stattfinden.

Wie benutzt man ein Kondom richtig?

Nur wenn Kondome ordnungsgemäß verwendet werden, kann ein zuverlässiger Schutz gewährleistet werden. Wir haben Ihnen einige Tipps zur richtigen Nutzung von Kondomen zusammengetragen:

  • Verwenden Sie bei jedem Geschlechtsverkehr ein Kondom, bevor es zum Kontakt zwischen den Genitalien kommt.
  • Verwenden Sie jedes Mal ein neues Kondom, wenn Sie die Art der sexuellen Aktivität ändern (z. B. von Vaginal- zu Anal- oder Oralverkehr).
  • Benutzen Sie nicht mehrere Kondome auf einmal.
  • Benutzen Sie ein Kondom, das gut passt: Ein zu lockeres Kondom kann leichter abrutschen, während ein zu enges Kondom potentiell schneller reißt.
  • Prüfen Sie vor dem Gebrauch das Haltbarkeitsdatum von Kondomen. Verwenden Sie keine abgelaufenen Kondome.
  • Öffnen Sie Kondompackungen mit den Fingern; beim Öffnen der Packung mit den Zähnen kann das Kondom beschädigt werden.
  • Bewahren Sie Ihre Kondome an einem kühlen, trockenen Ort auf. Lagern Sie sie nicht lose in Ihrer Geldbörse, Tasche oder Handtasche. Die dadurch entstehende Reibung kann die Kondome beschädigen.
  • Verwenden Sie in Verbindung mit Kondomen keine ölhaltigen Produkte (wie Lotion, Vaseline oder andere ölhaltige Gleitmittel). Ölhaltige Produkte können dazu führen, dass Kondome kaputt gehen. Verwenden Sie stattdessen Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis.

Quelle: CDC, 2022

Weitere Möglichkeiten zur Verringerung des Risikos von STIs

Zusätzlich zur Verwendung eines Kondoms gibt es noch weitere Möglichkeiten,die Sie nutzen können, um das Risiko einer Ansteckung oder Übertragung einer Geschlechtskrankheiten zu verringern.

Weniger wechselnde Sexualpartner senken das Risiko einer Ansteckung

Grundsätzlich sinkt das Risiko von Geschlechtskrankheiten mit einer geringeren Anzahl von wechselnden Sexualpartner/innen (CDC, 2023). Ein ehrliches Gespräch, ein möglicher Test auf STIs und der Austausch der Testergebnisse mit dem/der Partner/in sind wichtige Schritte, die befolgt werden sollten.

Gegenseitige Monogamie, d. h. die Vereinbarung mit dem/der Sexualpartner/in, keine anderen Sexpartner/innen zu haben, gilt als eine der zuverlässigsten Methoden zur Verhütung von STIs (CDC, 2023). Hier gilt anzumerken, dass die Monogamie ein Beziehungskonzept ist, dass nicht für alle Menschen ansprechend ist. Besonders für Menschen, die ein sexuelles Leben mit verschiedenen Sexualpartner genießen, sollten Sie sich regelmäßig testen und über die möglichen Risiken und die Übertragung von STIS offen mit Ihren Partnern/innen kommunizieren.

Sprechen Sie offen über Ihre sexuelle Gesundheit

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der STI-Prävention ist das Gespräch mit Ihrem Partner über seine sexuelle Gesundheit. Viele Menschen empfinden es als unangenehm und schamhaft, ihre/n Partner/in nach ihrer/seiner sexuellen Vorgeschichte, anderen Sexualpartnern und dem STI-Status zu fragen. Es ist jedoch wichtig, diese Informationen miteinander zu teilen, um sich zu schützen. Besonders in neuen Beziehungen oder bei wechselnden Sexualpartnern sind solche Gespräche angebracht. Erkundigen Sie sich bei Ihrem/r Partner/in, wann er/sie das letzte Mal auf eine Geschlechtskrankheit getestet wurde und ob er/sie seitdem ungeschützten Sex hatte. Sie können ihn/sie auch fragen, ob er/sie sich mit anderen Partnern trifft oder ob er/sie sich mit Ihnen testen lassen möchte. Ein guter Anfang für ein solches Gespräch ist es, zunächst offen über Ihre eigene sexuelle Gesundheit zu sprechen.

Verstehen Sie die Grenzen von STI-Tests

Wenn Sie mit Ihrem Partner über sexuelle Gesundheit sprechen, ist es auch wichtig zu wissen, welche Geschlechtskrankheiten mit einem Bluttest nachgewiesen werden können. Derzeit gibt es zum Beispiel keinen Test für Männer zum Nachweis von HPV. Weiterhin weisen viele Standardtests für Geschlechtskrankheiten nicht auf Herpes hin, es sei denn, es liegen sichtbare Bläschen oder Rötungen vor. Klären Sie bei einem Gespräch über sexuelle Gesundheit mit Ihrer/m Partner/in, auf welche Geschlechtskrankheiten er/sie getestet wurde, ob er/sie jemals Ausbrüche von Genitalwarzen/Herpesläsionen hatte oder ob er/sie eine Partnerin hatte, bei der ein Fall von HPV bestätigt wurde.

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Es ist auch wichtig zu wissen, in welchen Zeiträumen ein Test eine STIs nachweisen kann. Geschlechtskrankheiten können erst nach Ablauf der “diagnostischen Lücke” nachgewiesen werden. Darunter versteht man die Zeit zwischen dem Zeitpunkt, an dem eine Person einer STI ausgesetzt war, und dem Zeitpunkt, an dem ein Test sie zuverlässig nachweisen kann. Wenn jemand nach einer möglichen Exposition, aber vor Ablauf der diagnostischen Lücke einen STI-Test gemacht hat, besteht immer noch das Risiko, dass er eine STI hat. Sind Sie sich über Ihren STI-Status unsicher? Ein Test ist die zuverlässigste Methode zur Überprüfung.

Lassen Sie sich regelmäßig auf STIs testen

Wenn Sie wechselnde Sexualpartner haben oder ungeschützten Sex mit einer/einem neuen Partner/in planen, ist es wichtig, sich auf STIs testen zu lassen. Mit dem Umfassenden STI-Test von Homed-IQ erhalten Sie einen umfassenden Überblick über Ihre sexuelle Gesundheit. Sie müssen dafür nicht einmal einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Der Test deckt die 9 häufigsten Geschlechtskrankheiten ab, darunter Chlamydien, HIV, Herpes und Gonorrhöe. Für diesen Test müssen Sie eine Probe zu Hause entnehmen und diese zur Analyse an ein zertifiziertes Labor schicken. Wir bieten auch einen HIV-Test an. Zuverlässige Ergebnisse liegen innerhalb weniger Tage vor! Sie wissen nicht, auf welche STIs Sie testen sollen? Nutzen Sie den STI-Test-Leitfaden von Homed-IQ.

Schützen Kondome vor allen STIs?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Kondome bieten einen guten Schutz vor ungewollten Schwangerschaften und vielen, jedoch nicht allen Geschlechtskrankheiten, sofern sie richtig angewendet werden. Wenn Sie lernen, wie man Kondome richtig benutzt, sich regelmäßig testen lassen und mit Ihrem Partner offen über sexuelle Gesundheit sprechen, können Sie sicherstellen, dass Sie und Ihre Partner gesund und frei von Geschlechtskrankheiten bleiben.

Referenzen

Centers for Disease Control. (2021a, May 13). Condoms | Prevention. https://www.cdc.gov/hiv/basics/hiv-prevention/condoms.html#:~:text=There%20are%20two%20main%20types,synthetic%20rubber%2C%20or%20natural%20membrane.

Centers for Disease Control. (2021b, September 14). Condom Fact Sheet In Brief | CDC. https://www.cdc.gov/condomeffectiveness/brief.html

Centers for Disease Control. (2022, February 10). How to Use a Male (External) Condom | CDC. https://www.cdc.gov/condomeffectiveness/external-condom-use.html

Centers for Disease Control. (2023, February 22). Prevention – STD Information from CDC. https://www.cdc.gov/std/prevention/default.htm

NHS. (2023, January 9). Condoms. nhs.uk. https://www.nhs.uk/conditions/contraception/male-condoms/#:~:text=When%20used%20correctly%20every%20time,clinics%20and%20some%20GP%20surgeries.

NIH. (2021, November 18). How can men reduce the risk of getting a sexually transmitted disease (STD)? https://www.nichd.nih.gov/. https://www.nichd.nih.gov/health/topics/menshealth/conditioninfo/risk

Walsh, T. L., Frezieres, R. G., Peacock, K., Nelson, A. L., Clark, V. A., & Bernstein, L. (2003). Evaluation of the efficacy of a nonlatex condom: results from a randomized, controlled clinical trial. Perspectives on sexual and reproductive health, 35(2), 79–86.

Über den Autor

Lauren Dobischok

Lauren ist Gesundheitswissenschaftlerin und Wissenschaftskommunikatorin die in den Niederlanden lebt. Sie hat einen Forschungs-Master in Gesundheitswissenschaften am Niederländischen Institut für Gesundheitswissenschaften (NIHES) der Erasmus-Universität Rotterdam mit Spezialisierung auf Epidemiologie. Des Weiteren besitzt Sie einen B.Sc. In Gesundheitswissenschaften den Sie an der Simon Fraser University abgeschlossen hat. Mit ihrem Hintergrund im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens ist es ihr Ziel, akkurate wissenschaftliche Inhalte zu erstellen, die leicht zu verstehen sind und es den Menschen ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Bei Homed-IQ ist Lauren als Produktentwicklerin und Content Lead tätig und arbeitet eng mit Ärzten und Wissenschaftlern aus dem Bereich Medizintechnik an den neuen Produkten und schriftlichen Mitteilungen von Homed-IQ.